Aus Focus online – objektiv geschrieben

 
 
 
 
 
 
 
 
 
ICE

Bahn entdeckt weitere Risiko-Achse

Schlechte Nachricht für Bahn-Kunden: Die Ersatzfahrpläne für Strecken mit ICE-Neigetechnikzügen gelten bis kurz vor Weihnachten. Die Bahn entdeckte jetzt eine zweite Risiko-Achse bei den ICE-T.
Von FOCUS-Korrespondent Olaf Opitz

Die Bahn muss Teile ihrer ICE-Flotte häufiger überprüfen

Für die Bahn sind die Probleme mit ihren ICE-Zügen mit Neigetechnik noch lange nicht ausgestanden. Techniker der Deutschen Bahn hätten eine zweite Achse „mit Auffälligkeiten“ im Material gefunden, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Donnerstagabend in Berlin. Kontrolleure der Nachtschicht am Dienstag hätten in einem Betriebswerk die anfällige Achse entdeckt. Sie wird jetzt im Forschungs- und Technologiezentrum der DB im brandenburgischen Kirchmöser untersucht. Mehdorn rechnet kommenden Montag mit Ergebnissen.

 

Bereits drei Monate nach dem Achsbruch an einem Hochgeschwindigkeitszug am 9. Juli vor dem Kölner Hauptbahnhof entdeckte die Deutsche Bahn erneut eine kritische ICE-Achse. Prüfer fanden bei der Untersuchung der Achswellen eines ICE-T einen zwei Millimeter tiefen Riss. Damit sind bereits zwei Antriebsachsen dieses Typs durch die Kontrolle gefallen. Dabei handelt es sich um einen völlig neuen Achstyp aus „hochfestem Werkstoff“, mit dem die Industrie nach Bahn-Angaben allerdings bislang noch „keine Erfahrungen“ sammeln konnte.

Mehdorn fordert klare Vorgaben

„Die Industrie kann dafür keine Prüfintervalle angeben“, beschwert sich Mehdorn. „Wir wollen von der Industrie aber klare Aussagen über Prüfintervalle haben“, fordert der Bahnchef. Systemführer Siemens hat die Achsen bei Konsortialpartner Alstom bestellt. Dieser wiederum orderte sie von einem italienischen Anbieter, der solche Achsen für die Pendolino-Neigetechnikzüge produzierte. Die neu entdeckte Risiko-Achse ist bei der Bahn acht Jahre im ICE-T gefahren.

Der neue Fund verschärft die Kontrollaufgaben der Bahntechniker in den Betriebswerken. Die Bahnkunden müssen jetzt einen länger andauernden Ersatzfahrplan in Kauf nehmen. Eigentlich sollten Mitte November die ICE-Züge wieder im Normalbetrieb auf den Gleisen rollen. „Es sieht so aus, dass wir in den nächsten sechs Wochen keine größere Marscherleichterung bekommen werden“, verkündete Mehdorn nun. Der Bahnchef rechnet frühestens kurz vor Weihnachten wieder mit einem Normalverkehr auf allen ICE-Strecken. Mehdorn vorsichtig: „Das hoffen wir.“

Kontrollen rund um die Uhr

Um die stetig steigende Kontrolldichte bei den ICE-Zügen zu bewältigen, arbeiten die Bahntechniker im Dreischicht-System. Bahnchef Mehdorn bestätigte zudem die Beschaffung von „acht neuen Prüfanlagen“ für ICE-Achsen, wie FOCUS Online bereits am Dienstag meldete.

Bislang wirkt sich der zweite Fund nur teilweise auf den laufenden Verkehr aus. Aber es kann schlimmer kommen. Die Industrie könnte zu der Erkenntnis gelangen, dass eine Prüfung alle 30 000 Kilometer nicht mehr ausreiche und die Züge alle 15 000 Kilometer gecheckt werden müssen, räumt Mehdorn ein. Laut Herstellervorgaben sollten die Ultraschallkontrollen an den Achsen eigentlich nur alle 480 000 Kilometer erfolgen. Die Bahn legte jedoch in ihrem Betriebsablauf vorsorglich 300 000 Kilometer fest. Wegen des erneuten Materialrisses an einer Neigetechnikzugachse verkürzte sie die Kontrollintervalle auf 30 000 Kilometer.

Neue Züge bestellt

Da die Bahn wegen des Ersatzverkehrs mit fast allem, was ihr aus Lokschuppen und Wagendepots zur Verfügung steht, fährt, hat das Unternehmen beim Hersteller Siemens zwölf neue ICE-Züge bestellt mit der Auflage, künftig eine Garantie für die Festigkeit der Achsen zu gewähren oder sie bei anderen, besseren Zulieferern zu erwerben.

Rund 90 Prozent der gesamten ICE- und IC-Fernverkehrsflotte verkehrt derzeit planmäßig. Auf folgenden vier Linien gilt der Ersatzfahrplan vermutlich bis kurz vor Weihnachten und wird täglich aktualisiert:

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Eine Antwort zu Aus Focus online – objektiv geschrieben

  1. Schens schreibt:

    Am kommenden Donnerstag habe ich mir einen Termin in Wiesbaden organisiert und wollte dafür die Bahn nehmen. Ch.- Leipzig – Wiesbaden. Ausgerechnet wenn ich den holden HighSpeedTrain Driver damit huldigen uns mir mal ein ICE Erlebnis gönnen wollte, werden Qualitätsmängel offenbar.Nun ich habe noch ein paar Tage Zeit zu überlegen ob ich auf 6 Zylindern nach Wiesbaden reite oder doch die Bahn nehme.  Himmelsakrament nocheinmal!

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