Meine erste politische Wahl & gleich verloren

Es ging um einen nur nachgeordneten Posten, den eines Ersatzdelegierten zum BPT, die Hauptdelegierten wurden schon gewählt, als ich noch nicht wahlberechtigt war. Mittlerweile ist die Mitgliederzahl von 68 auf 75 gewachsen, davon waren aber nur 15 anwesend. Aber die Dichte an studierten Leuten liegt bei 99%, da hast du als Normalo wenig Chancen, dazu haben bei uns noch einige gleich Politik/Recht belegt oder können mit jahrelanger politischer Erfahrung punkten. Unser Schatzmeister war zum Beispiel für die Partei vom Sulik Europaabgeordnetenkanditat bei der letzten Wahl, ist akkreditiert bei der Münchner Sicherheitskonferenz, andere haben Jahre lang im Ausland gearbeitet, um die deutsche Aussenpolitik zu vertreten. Das Niveau ist irre hoch, aber dann stehst du da als billiger Lokführer, als einfacher Bürger mit gesundem Menschenverstand und wirst untergebuttert.

Ich hatte mir auch eine Bewerberrede im Kopf zurecht gelegt, aber taktisch hatte ich gar nicht damit gerechnet, das es auch noch andere Bewerber geben wird und dann hatte das Alphabet die Reihenfolge bestimmt, wie wir uns vorstellen konnten und gleich der erste Redner brachte, gleich mein Argument, was ich als „Totschlag“-argument mir überlegt hatte. Es ist zwar nun schön, dass wir im Ergebnis meinen Basisdemokratischen Überlegungen folgen wollen, aber ich war dann im Zugzwang und konnte mich meinem Vorredner dann nur noch anschliessen, ein Zeichen der Schwäche. Ich wollte mich einfach dafür einsetzen, dass bei einem Delegiertenparteitag die Meinung des Kreisverbandes im Vorfeld ermittelt wird und das Abstimmungsverhalten bestimmt und nicht so, wie es auf dem letzten in Hannover war, wo unsere zwei Delegierten eigentlich ihre Privatmeinung vertreten haben, ohne das wir anderen wussten, über was da eigentlich abgestimmt wurde.  Delegiertenparteitage müssen schon aus Kostengründen sein und auch eine effektivere Meinungsbildung ist dort im Gegensatz zum Mitgliederparteitag möglich, aber siehe oben.

Rührend und peinlich zu gleich dann der Schluss der Veranstaltung und besser der Schluss für mich, denn ich musste zur Bereitschaft: Wolfgang kam mit raus und wollte mich trösten, das ich die Wahl nicht gewonnen habe, er hätte seine erste Wahl zum Studentensprecher damals auch verloren. Nun muss ich sagen, ich war über mein Verlieren nicht sauer oder habe dort gebockt, aber vielleicht hatte er aus dem Umstand, dass ich für die Parteitage auf Landesebene  mich nicht als Delegierter gemeldet habe daraus dann seine Schlüsse gezogen. Das ich für diese Posten nicht kandiert habe, stand aber schon im Vorfeld fest, denn Bayern geht mir ehrlich gesagt, auch nach 17 Jahren Asyl, am Arsch vorbei, für Sachsen oder kommunal für Chemnitz wäre ich dabei gewesen, ich  brauche da einfach auch eine emotionale Bindung zu dem Thema.

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3 Antworten zu Meine erste politische Wahl & gleich verloren

  1. Ghost Leader schreibt:

    Emotionen hin und her, Du wirst vorausichtlich noch 20 Jahre in München leben um zu arbeiten und evtl. als Greis nach Chemnitz zurückkehren, für mich wäre klar, wo ich mich engagieren würde.
    Und nur weil jemand studiert hat, heisst das nicht, dass er intelligenter ist als du, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein wäre da angebracht. Es ist doch gerade wichtig, dass auch Menschen aus der Produktion sich einbringen und nicht nur Studierte.

    • 360hcopa schreibt:

      Der Gedanke, dass auch das Proletariat in Volksvertretungen vertreten sein sollte trifft genau meinen Ansatz. Nun stelle dir aber die Wähler gestern vor, die entscheiden sich dann eben doch für den schlaueren Fuchs – was natürlich zu Verkomplizierung aller Sachverhalte führt. Führe dir doch mal den Gesetzesentwurf zum neuen Parteiengesetz zu Gemüte: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/068/1806879.pdf – das ist doch genau wie mit unseren 1,3 GB Vorschriften, die wir im Kopf haben sollen, praktisch, wenn es hart auf hart kommt, wenn es in die Praxis geht, brauchst du nur „drei“ Sätze.

  2. C.S. schreibt:

    Ich würde da auch nicht den Kopf in den Sand stecken an Deiner Stelle. Aus solchen taktischen Spielchen lernt man, da weisst Du für die Zukunft, dass aussagekräftige Alternativargumente wichtig sind. Irgendwann klappt es schon mit der politischen Karriere, auch wenn ich Dich dann leider mit faulen Eiern bewerfen muss xD

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